Ich habe die Menschen gesehen.

Pflegeeinsatz. Der rote Block im Ausbildungsplan stand vor mir wie eine unüberwindbare Hürde. Für vier Monate sollte ich Kreißsaal und Wochenbett gegen die Pulmologie und die operative Pflege eintauschen. Statt neuem Leben erwartete mich die Auseinandersetzung mit schwersten Krankheiten und dem Tod. Das würde eine große Herausforderung werden - soviel stand fest. Ich hatte ja keine Ahnung. 

Wer lacht, denkt nicht.

Es gibt da eine kleine Weihnachtstradition, eher so auf emotionaler Ebene. Alles, was ich in den vergangenen Monaten erlebt, gelernt, gefühlt, verloren und gewonnen hab, durchlebe ich am Ende des Jahres im Zeitraffer. Stroposkopartig blitzen Erinnerungen auf, schöne und weniger schöne, Erfahrungen, die mich verändert haben, Worte, die weh tun, Menschen und Momente, die bleiben. In diesen Tagen ist Zeit zum Atmen und Begreifen, zum Wünschen und Teilen. Bisher habe ich meine Gedanken zum Fest in kurzen Weihnachtsansprachen für die Familie festgehalten. Heute versuche ich es hier.

Herz- und Beinbruch.

Genau heute vor einer Woche - an einem stinknormalen Sonntag um 07:30 Uhr - ist es passiert. In einem Moment ist da noch Alltag und schon mit dem nächsten Augenzwinkern kann sich alles ändern. Und zwar so, dass du dir schleunigst das gewohnte Leben mit seinen typischen Macken zurück wünschst. Das ist mir schmerzlich bewusst … Herz- und Beinbruch. weiterlesen

Gelandet.

Normalerweise gibt es solche Aussichten nur im Urlaub, jetzt aber ist das unser Zuhause - eine Erkenntnis, die noch etwas braucht, um wirklich im Kopf anzukommen. Das Herz immerhin, hüpft seit unserer Ankunft im Westerwald regelmäßig vor Freude auf und ab. Und das liegt nicht nur daran, dass wir hier gerade unseren Traum vom Leben auf dem Land verwirklichen, sondern vor allem an den Menschen.

Wie wir wuchsen.

Genau heute vor einem Jahr - in diesem Moment - bin ich über mich hinaus gewachsen. Der Weg zum Mama-Sein war mein bisher größter Kampf. Gegen Schmerzen, gegen Hilflosigkeit, gegen das Aufgeben. Und für das Leben. Am 11. März 2017 um 01:43 Uhr sollte unser Sohn das Licht der Welt erblicken. Und von unserer gemeinsamen Reise bis zu diesem Augenblick möchte ich euch heute erzählen.

Mama macht frei.

Nun sitze ich hier. Allein, in meinem Auto. Und ich fahre, ganz weit weg. Aus den Lautsprechern dröhnen die Lieder meines Lebens. Im Rückspiegel sehe ich einen lilafarbenen Himmel, wie er schöner nicht sein könnte. Und mein Herz schlägt im Takt der Musik. So doll, dass es fast aus meiner Brust springt. Ich bin frei. 

Bauchgefühl.

Als ich im Damenklo verschwinde, komme ich mir vor wie ein Agent in geheimer Mission. Jetzt bloß nicht auffliegen. Kurz bilde ich mir ein, man sieht mir an, was ich hier drin gleich machen werde. Ist das eigentlich erlaubt? Ich muss lachen. Fast schon hysterisch. Wie durch einen Tunnel starre ich auf das fancy Testgerät mit digitaler Anzeige. Diesmal muss ich nicht lange warten. Diesmal steht es da. Das, was ich eigentlich schon wusste. Das, was mein komplettes Leben auf den Kopf stellen wird. Das, was mir mein Bauchgefühl gesagt hat. Ich bin s-c-h-w-a-n-g-e-r.