Kaugummi-Tage.

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Wir sitzen auf dem bunten Spielteppich und beichten. „Ich rede ja schon mit mir selbst“, gesteht meine Freundin. Und ich so: „Nachmittags um vier, da ist es am schlimmsten. Da denke ich, der Tag geht nie rum.“ Schon während die Worte meinen Kopf verlassen, piekst mich das schlechte Gewissen.

Schließlich ist es doch ein Privileg, soviel Zeit mit dem eigenen Kind zu verbringen. Ich sollte mich nicht beschweren. Und doch tut es gut, es mal ganz offen anzusprechen: Dass Elternzeit alleine eben auch anstrengend ist. Dass so ein Tag sich ziehen kann. Und dass man manchmal einen Feierabend herbeisehnt, den es so ja nicht mehr gibt.

Hach, ist das schön lauschig, unser kleines Rabenmutti-Kaffekränzchen. Wir fragen uns, warum wir uns nicht häufiger treffen. „Ja, wenn dir auch langweilig ist, dann müssen wir das schnell wiederholen!“ Recht hat sie. Wir verabreden uns für nächsten Montag.

Langeweile. Eigentlich habe ich diesen Begriff mit dem Einsetzen der ersten Wehen aus meinem Wortschatz gestrichen. Genauso voll wie die Windeln des Sohnes sind schließlich seitdem unsere Terminplaner. Irgendwas ist immer. Und doch gibt es sie dazwischen: Die Kaugummi-Tage. Das sind bei mir die Tage, an denen ich alleine mit dem Mäusezahn zuhause bin, kein Baby-Bespaßungskurs ansteht und ich ausschließlich übers Handy soziale Kontakte pflege. Spätestens mit dem Nachmittagsbrei kündigt es sich dann an, das kleine Hängerchen.

Jetzt, wo die Tage wieder kalt, nass und dunkel sind, haben wir die Picknickdecke gegen die Puzzlematte getauscht. Die Sonne gegen die kleine, verstaubte Stehlampe. Das Nickerchen im Kinderwagen gegen eine „Eigentlich-bin-ich-müde-aber-ein-zweiter-Nachmittagsschlaf-lohnt-sich-nicht-Stunde“, die mit monotonen Nörgelgeräuschen untermalt wird. Zwischen 16.00 und 17:00 schaue ich fast im Minutentakt auf die Uhr und sehne die Heimkehr des Mannes herbei. Kurz vorher nimmt dann alles wieder Fahrt auf: Der Kleine dreht nochmal richtig auf, Mama nimmt alle Kräfte zusammen und tobt, singt, kitzelt.

Vielleicht ist es ja ganz normal, das zwischendrin mal kurz die Luft raus ist. Aber warum ist es genau diese eine Stunde, die nicht enden will? Ich hab da zwei Theorien. Die erste: Der komplette Tag ist eigentlich gut durchgetaktet. Aufstehen, Frühstück, Badewanne, Schlafen, Einkaufen, Mittagsbrei, Schlafen, Spielen, Nachmittagsbrei… und dann kommt eine Weile nichts. Das heißt, keiner von uns beiden weiß so richtig, was wir jetzt anstellen sollen. Der Sohnemann kämpft gegen die Müdigkeit, während ich ausgerechnet jetzt einem kleinen Nickerchen gegenüber sehr aufgeschlossen wäre. Und so hängen wir beide zwischen den Stühlen, genau genommen zwischen Schaukel- und Drehstuhl, zwischen Schlaf- und Wachphase. Theorie Nummer Zwei: Es ist wie auf Arbeit. Wenn man weiß, dass der Feierabend langsam näher rückt, vergeht die Zeit nicht mehr so schnell. Man konzentriert sich zu sehr darauf, was man später am Abend noch alles anstellen möchte, so dass man sich auf die eigentliche Aufgabe nicht mehr richtig konzentrieren kann. Oder will. In meiner neuen Rolle als Mama äußert sich das dann in akuter Ideenlosigkeit und mangelnder Ambition als Motivator.

Wie dem auch sei. Wenn man ein Mantra unwiderruflich verinnerlicht, sobald man Kinder hat, dann ist es: „Das ist nur eine Phase.“ Und so kann ich auch über den ein oder anderen Kaugummi-Tag gelassen hinweg sehen. Man soll ja nicht allzu streng mit sich selbst sein und davon ausgehen, dass man als Mama 24/7 Höchstleistungen erbringen kann. Ich denke, das erwartet eigentlich auch keiner – nicht mal unsere kleinen Weltentdecker. Wichtig ist doch, dass wir als Mamas authentisch sind. Und dass wir lernen, was wir brauchen, damit wir Kraft haben für den schönsten und verantwortungsvollsten Job der Welt.

Ich habe diese Woche jedenfalls gelernt, dass ich diese eine Freundin öfters treffen sollte. Denn meistens hilft es schon, wenn man weiß, man ist nicht alleine da draußen. Oder drinnen, im Nachmittagstief. Wir haben uns für 15:00 Uhr verabredet. Das passt uns beiden am besten.

Ein Gedanke zu “Kaugummi-Tage.

  1. Huhu, ich glaub das Hängerchen kennt jede Mama! Ich Versuch dann immer aktiv zu werden, bei zwei Kindern gibt’s ja immer was aufzuräumen, Wäsche sortieren, die drei Millionen gemalten Bilder des großen Sohnes vom Vortag aussortieren oder endlich mal den Schreibtisch in Angriff nehmen (Babysohn lieber außer Reichweite der Blätter positionieren). Im Moment hab ich das große Vergnügen mit beiden Jungs daheim zu sein und Beide sind erkältet. Da mutiert man zur Krankenschwester! Und nun kratzt natürlich auch der Hals der Mama, aber die hat ja immer power für drei! Da atme ich das erste mal auf wenn die Söhne friedlich mittags im Bett schlummern und ich mich freudig meinem Kopfkissen annähre. In diesem Sinne, schönes Wochenende ☀️

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