Kein Vergleich.

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„Hey, ich hab da mal eine Frage…“, wenn es schon so los geht. Genervt und ein bisschen sensationsgeil schaue ich auf mein Handy und warte, was kommt. „Die Kleine hat da seit heute so einen komischen Ausschlag und ich wollte mal fragen, ob das jemand von euch auch schonmal hatte und was das sein könnte.“ Es folgt eine unscharfe, mikroskopische Aufnahme eines circa drei Nanometer kleinen roten Punktes. 

„Au Backe. Das sieht wirklich übel aus. Also meiner Meinung nach solltet ihr schnellstmöglich einen Allergietest machen und das zur Sicherheit herausschneiden lassen“, tippe ich und lösche es wieder. Ironie ist wohl fehl am Platz. Noch während ich darüber nachdenke, wie ich mit Humor die große Besorgnis um das Töchterchen und den mysteriösen Pickel etwas abschwächen kann, prasselt es Reaktionen. Es gibt beruhigende Worte, Hautarzt- und Waschmittelempfehlungen. Herzlich willkommen im Zeitalter der Gruppenchat-Selbsthilfegruppen, oder wie ich es nenne: Unterhaltungsprogramm 2.0. Mein Ersatz für jegliche Sendeformate des sogenannten Unterschichtenfernsehens, für das ich keine Zeit mehr habe. Nirgendwo sonst erhält man einen realistischeren Einblick in die tiefen Abgründe unserer Gesellschaft. Oder – in diesem Fall – in die Köpfe frisch gebackener Mütter.

Dabei war ich es selbst, die diese Gruppe ins Leben gerufen hat. Direkt nach dem Geburtsvorbereitungskurs lud ich alle zum gemeinschaftlichen Austausch ein. Ich dachte, es wäre doch schön zu wissen, wann die anderen Babys das Licht der Welt erblicken. Und sicher könnte man auch das ein oder andere Treffen vereinbaren. Dass das Ganze jedoch solche Ausmaße annimmt, habe ich nicht im geringsten erwartet. Schon bevor sich auch nur irgendeine Wehe ankündigte, wurden ohne Unterlass kurze und lange Abhandlungen in die Smartphones gehackt. Wann war wer beim Arzt, wo hat es diese Nacht gezwickt, wie leite ich die Geburt am Besten ein und welche Binden wurden für das Wochenbett besorgt. Heilige Mutter Gottes!

Es brennt. Und zwar gewaltig, unter meinen Nägeln. Ein Thema, das mir immer wieder begegnet und doch ein ungebetener Gast ist: Der ständige Vergleich unter Müttern. Seit Beginn meiner Schwangerschaft fliegen mir fast täglich Erfahrungen, Meinungen, Ratschläge und jede Menge Besserwissereien um die Ohren, obwohl ich garnicht danach gefragt hab. Doch damit nicht genug. Anders herum beobachte ich in meinem (neuen) Bekanntenkreis zahlreiche, verunsicherte Mamas, die händeringend nach der EINEN Bedienungsanleitung für das Phänomen Baby zu suchen scheinen.

Schluss damit. Es gibt sie nicht. Genauso unterschiedlich wie unsere Kleinen sind auch ihre Bedürfnisse. Natürlich kann man als Neu-Mama des Öfteren einen guten Rat gebrauchen – auch ich bin darauf angewiesen. Aber dann liegt es doch näher, eine vertraute Person oder Fachkraft um Hilfe zu bitten, als 15 mindestens genauso ahnungslose Muttis in einem Gruppenchat. Nicht nur, dass mit großer Wahrscheinlichkeit 15 verschiedene Meinungen, Erfahrungen und Tipps durch den Äther zurück flattern werden. Nein, es wird auch kein „Allheilmittel“ geben, sondern schlimmstenfalls nur noch mehr Verunsicherung. Sollte sich nämlich der ein oder andere Ratschlag nicht auf den eigenen Nachwuchs übertragen lassen, dann folgt oft ein erster Anflug von Panik. Zum Schluss landet man dann doch beim Kinderarzt oder das Problem hat sich von alleine in Luft aufgelöst. Genauso übrigens, wie die meisten harmlosen Hautirritationen bei Babys.

Deshalb, liebe Mamas aus dem Gruppenchat, muss ich es jetzt mal los werden: Es ist toll, wie aufmerksam ihr eure Babys beobachtet und wie liebevoll ihr sie umsorgt. Jeden Tag lernt ihr euch ein bisschen besser kennen und verstehen. Ihr entwickelt euch zu einem unschlagbaren Team, das ein starkes Band verbindet. Darum habt mehr Vertrauen. In euch selbst, eure Intuition als Mutter und vor allem in eure wunderbar einzigartigen Kinder. Sie werden euch den Weg weisen. Und ich bin mir sicher, ihr werdet spüren, wann es ernst und wann ein Pickel eben nur ein Pickel ist.

3 Gedanken zu “Kein Vergleich.

  1. Hey Luise,
    ich mag deinen Blog sehr und lese immer gern drin auf dem Weg zur Arbeit. 😀👍🏻

    Tut mir leid, wenn dich die WhatsApp-Gruppe nervt. Dann sei froh, dass du nicht in der Rückbildungskurs-Gruppe bist, denn da wird wirklich viel diskutiert über Stuhlgang und Pickelchen… 😜
    Du schreibst, dass man lieber seine nahen Bekannten/Ärzte fragen soll. Klar, das machen wir ja auch, aber Bekannte/Freunde sind i.d.R. ja nicht so nah dran am Babyalltag. Manchmal hat doch Mama 1 genau das gleiche Problem wie Mama 2 kurz zuvor gehabt und kann Rat geben. Ich fand die Tipps immer sehr hilfreich. 🙂

    LG, Frederike

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    • Liebe Frederike,

      danke für dein Feedback! Es freut mich, dass dir die Gruppe wirklich hin und wieder eine Hilfe sein kann. Ich finde es ja prinzipiell auch gut und wichtig, sich unter Müttern auszutauschen. Aber das viele „vergleichen“ finde ich etwas problematisch, da dadurch auch enormer Druck entstehen kann, den man sich als Mama nicht machen sollte. Zum Beispiel, wenn die Problemlösung von Mama 1 bei Mama 2 nicht funktioniert.

      Da muss aber wirklich jeder seinen Weg finden. Der Artikel spiegelt hier lediglich meine Meinung wieder und am Wichtigsten war mit eigentlich der Appell an die Mamas, ein bisschen mehr Vertrauen in die eigene Intuition zu haben. ❤

      Danke für dein liebes Feedback auch zum Blog und dir nun einen guten Start in den Arbeitstag!

      Liebe Grüße
      Luise

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  2. Pingback: Gelandet. | Konfettiherz

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