Einfach machen.

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„Gehe ich jetzt ins Café? Vielleicht wird der Kleine müde. Soll ich jetzt schon den Abendbrei fertig machen? Vielleicht hat er noch keinen Hunger. Lohnt es sich, jetzt ins Bett zu gehen? Vielleicht muss ich gleich wieder stillen.“ Wie oft habe ich schon gezögert. Bis ich gemerkt habe, dass sich in meinem Leben eine ganz essentielle Sache geändert hat: Ich kann nichts mehr planen. 

Diese Erkenntnis saß. In erster Linie bedeutet das nämlich für mich, meine eignen Bedürfnisse zurück zu stellen. Keine spontanen Einkaufstouren, keine Dusche ohne Begleitung, nicht einmal Putzen kann ich, wann ich will. Auf der anderen Seite birgt dieses neue, unvorhersehbare Leben aber einen ganz enormen Vorteil: Ich übe mich in Gelassenheit. Wenn man einmal erkannt hat, dass alles hin und her überlegen keinen Sinn macht, dann fällt es auch leicht, damit aufzuhören. Also habe ich als Mama – zugegebener Maßen erst nach ein paar Monaten – gelernt, jeden Tag so zu nehmen, wie er kommt. Mal quengelig, mal fröhlich, mal alles durcheinander – der kleine Mann und seine Gefühlswelt sind unberechenbar. Und das ist auch gut so. Schließlich verleiht er seinen Emotionen und Befindlichkeiten Ausdruck, ungefiltert und in Echtzeit. Damit hat er uns Erwachsenen etwas voraus. Er ist authentisch. Und das vierundzwanzig Stunden am Tag.

Als wir im Geburtsvorbereitungskurs gefragt wurden, was wir von unserem neuen Leben als Mama erwarten, habe ich gesagt: „Ich erhoffe mir mehr Flexibilität.“ Die erstaunten Gesichter forderten eine Erklärung meiner offenbar unerwarteten Antwort. Natürlich wusste ich damals schon, dass vor allem die erste Zeit mit Kind Verzicht bedeutet. Verzicht auf all die selbstverständlichen Routinen, Hobbys und Annehmlichkeiten meines „alten“ Lebens. Aber genau aus diesem Grund erhoffte ich mir auch, flexibler zu werden. Ich nahm mir fest vor, die Dinge nicht mehr so eng zu sehen, den Moment zu leben und alle neuen Herausforderungen kreativ zu meistern. „Ich möchte einfach lernen, zu improvisieren. Ohne den eigenen Anspruch, ständig perfekt zu sein“, erklärte ich den anderen. Sie nickten zustimmend.

Wie es sich tatsächlich anfühlen würde, so ein Leben als Mama zu führen, wusste ich damals noch nicht. Und ebenso wenig, wie schnell es mich an meine Grenzen bringen würde. Entgegen meines Vorhabens nahm ich die Sache mit dem Elternsein ziemlich ernst. Ich habe viel in Ratgebern gelesen, versucht, die Still- und Schlafzeiten genau zu planen und war natürlich frustriert, als doch mal wieder alles anders kam, als gedacht. Zum Beispiel, als der kleine Mann entgegen aller Zeitpläne in der überfüllten Straßenbahn gestillt werden wollte. Oder in voller Montur beim Verlassen der Wohnung die Windel mal so richtig ausgereizt hat. Oder beim Besuch meiner Kollegen mit seinem Gebrüll das komplette Geschäftsgebäude ins Wanken brachte.

Doch mit jedem unerwarteten Zwischenfall wurde und werde ich sicherer in meiner Rolle als Mama. Bis jetzt habe ich es immer geschafft, uns aus misslichen Lagen zu befreien. Das stärkt natürlich das eigene Selbstbewusstsein und macht mutiger. Heute ersetze ich „Grübeln“ durch „Machen“. Zumal mich mein tolles Baby auch oft positiv überrascht. Da wird plötzlich doch im Wagen geschlafen, der verschmähte Brei komplett aufgegessen und die lange Wartezeit beim Arzt spielend leicht überbrückt.

Und wenn es mal wieder nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe, dann vertraue ich darauf, dass wieder bessere Zeiten kommen. Meistens sogar schneller, als gedacht. Zum Beispiel dann, wenn mich mein Baby nach einem chaotischen Tag strahlend anlacht. Dann verfliegt jede Anstrengung und macht Platz für diese einzigartige Liebe, wie sie größer nicht sein könnte. Diese Liebe, die uns so selbstlos und aufopferungsvoll sein lässt. Diese Liebe, die so bedingungslos ist. Diese Liebe, die uns trägt – von Moment zu Moment.

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