Konfettileben.

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Viel zu ruhig ist es hier auf dem Blog. Denn da draußen – im echten Leben – da ist so einiges passiert. Hier wurden nicht nur Möbel verrückt, sondern zeitweise auch wir. Langsam aber kehrt der neue Alltag ein und somit ist es Zeit für ein Konfettiherz-Update.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in unserem Bett, vor dem Fenster tobt ein Herbststurm und ich halte einen warmen Tee in den Händen. Um mich herum und in mir drin breitet sich eine wunderbare Ruhe aus. Jedes Elternteil weiß um die Besonderheit solcher Momente. Schließlich kommt es wahrlich selten vor, dass man allein und in seinem eigenen Tempo ein Heißgetränk zu sich nehmen kann. Und das – entsprechend seiner Bestimmung – tatsächlich noch wohlig warm ist, wenn es die Speiseröhre passiert. Denn im Alltag – ja, das haben wir jetzt gelernt – kommt immer irgendwas dazwischen, sodass wir uns mit abgestandenem Kaffee und kaltem Tee zufrieden geben. Oder besser gesagt, am Leben halten.

Auf der anderen Seite ist es ja genau das, was unser Dasein hier so furchtbar aufregend macht: kleine und große Kindersorgen, neue Herausforderungen und Projekte, Beziehungskrisen und Versöhnungen, Familie, Freunde und Feste, gute und schlechte Nachrichten, helle und dunkle Tage, Sonne und Regen. Alles das, was eigentlich nicht „dazwischen“ kommt, sondern das Leben ausmacht. Nur so spüren wir, dass sich etwas bewegt, dass wir lebendig sind und auch etwas bewegen können. Aber genug der philosophischen Gedanken, hier nun ein Überblick über das ordentlich durcheinander gewirbelte Konfettileben.

Hebammerei.

Fast pünktlich zu meinem Geburtstag ist er ins Haus geflattert: Der Ausbildungsvertrag für die Ausbildung zur Hebamme. Und damit wären wir auch gleich bei der wohl größten Herausforderung, vor die wir – ziemlich spontan und unerwartet – im Sommer gestellt wurden. Keine Frage: Meine Freude war riesengroß! Schließlich hatte ich lange mit dem Gedanken gespielt, beruflich noch einmal ganz von vorne anzufangen und Hebamme zu werden. Aber so eine richtige Vorstellung davon, WIE ich das anstellen und organisieren würde, hatte ich nicht.

Durch einen Zufall war da aber plötzlich eine freie Stelle in Frankfurt und fünf Tage nach meiner ersten Mail erhielt ich den Anruf, der eingeschlagen hat wie ein Komet. Der ersten Euphorie folgte die Erkenntnis, WAS das für uns als Familie bedeutet: Schichtdienst, (noch mehr) externe Kinderbetreuung, wenig Zeit zu dritt. Uff. Die nächsten drei Jahre würden uns ziemlich viel abverlangen – soviel war sicher. Trauen wir uns das zu? Schaffen wir es, den Kleinen in so gute Hände zu geben, dass wir uns um ihn keine Sorgen machen müssen? Bleiben Freiräume für uns als Familie und für den einzelnen, um individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden? Alle diese Fragen schwirrten durch unsere Köpfe. Nachdem wir jedoch das Szenario theoretisch durchgespielt hatten, sich die Lieblingserzieherin vom Sohnemann auch als Tagesmama angeboten und unsere Familie uns die best mögliche Unterstützung zugesichert hatte, stand die Entscheidung fest: Wir versuchen es.

Und so drücke ich seit September wieder die Schulbank. Einem Unterrichtsblock von vier Wochen folgte dann auch schon der erste Praxiseinsatz im Krankenhaus. Derzeit bin ich auf Wochenbettstation eingesetzt und kümmere mich dort um die Neugeborenen. Ein Wahnsinn ist das, der Sprung ins kalte Wasser und doch fühle ich mich jetzt schon angekommen. Ich werde im Blog sicher hier und da über meine Ausbildung und die Hebammerei berichten. Schließlich ist das von nun an ein bedeutender Teil von meinem Leben, der mir viel Kraft und Disziplin abverlangen wird, aber auf lange Sicht die Arbeit in meinem Traumberuf verspricht. Und das ist all die Mühe wert.

Alltagshelden.

Nicht nur ich habe eine neue Berufung gefunden. Auch mein Mann arbeitet seit Oktober Vollzeit in seinem neuen Job. Wir sind jetzt also beide Pendler, Vollzeitangestellte bzw. Auszubildende, Eltern mit Herz und Seele, Hausbesitzer und – nicht zu vergessen – natürlich auch ein Paar. Was für ein Pensum! Eigentlich sind wir ja aufs Land gezogen, um unseren Alltag zu entschleunigen, die Hektik und den Dreck der Stadt hinter uns zu lassen und uns voll und ganz unserer Familie und dem Garten zu widmen. Zugegeben, das hier läuft anders, als wir uns das vorgestellt haben. Der Hausbau, die Kitaeingewöhnung, die neuen Jobs – das alles hat uns ziemlich aus der Umlaufbahn geworfen. Und doch fühlt es sich richtig an, Chancen zu ergreifen und einfach zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln.

Ich kann an dieser Stelle nur für mich sprechen, wenn ich sage, ich brauche diese Art der Herausforderung, den Perspektivwechsel, das Lernen und den Kontakt zu anderen Menschen. Denn auch wenn ich mit Leib und Seele Mama bin, so kann ich dieser Rolle nur gerecht werden, wenn es einen Kontext gibt, in dem ich auch anderweitig gefordert werde. Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass es ein Kinderspiel ist, das alles zu organisieren. Aber durch den neuen Alltag, weiß ich unsere Familienzeit viel mehr zu schätzen, ich genieße die Momente mit meinem Sohn ganz bewusst und es fällt mir leichter, Prioritäten zu setzen. Dazu kommt, dass wir uns als Paar wieder mehr zu erzählen haben. Das verändert den Blickwinkel auf den anderen, schafft Raum für neue Facetten, die es zu erkunden gilt und schärft die gegenseitige Wahrnehmung.

Es fühlt sich wahnsinnig toll an, nach einem anstrengenden Tag nach Hause zu kommen, sich mitzuteilen, zuzuhören, zu sein. Solange das gegeben ist und es uns allen damit gut geht, läuft das Experiment Alltag weiter. Und sollten wir merken, dass einer von uns auf der Strecke bleibt, dann werden die Segel neu gesetzt.

Weltentdecker.

Und noch etwas ganz tolles ist passiert. Der Sohnemann hat Ende September entschieden, dass es Zeit ist, seinen „eigenen Weg“ zu gehen. Und zwar ziemlich flink und auf zwei Beinen. Kurz: ER LÄUFT. ❤

Ich kann mit Worten kaum beschreiben, wie stolz mich das macht. Es war einfach ein unglaublicher Moment, als er das erste Mal auf uns zugelaufen kam. Auch dazu wird es in naher Zukunft einen gesonderten Beitrag geben. Schließlich bewegt uns dieser Meilenstein noch ein kleines bisschen mehr als Eltern von Krabbelkindern – denn unser kleiner Weltentdecker ist jetzt zum ersten mal mobil.

Alles ist jetzt.

Zugegeben, die letzen Monate und alles, was in dieser Zeit passiert ist, haben uns emotional und körperlich an unsere Grenzen gebracht. Das war einfach ziemlich viel Stoff für ein Drehbuch mit begrenzter Seitenzahl. Was ich mitnehme, ist eine große Portion Zuversicht, dass wir alles schaffen können. Solange wir miteinander im Gespräch bleiben, den Blick für das Wesentliche nicht verlieren und vor allem den Moment zu schätzen lernen.

Das finale Schlusswort überlasse ich jetzt dem von mir hochverehrten Aki Bosse, der mit seinem Song „Alles ist jetzt“ die ganze Sache auf den Punkt bringt.

 

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