Wer lacht, denkt nicht.

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Es gibt da eine kleine Weihnachtstradition, eher so auf emotionaler Ebene. Alles, was ich in den vergangenen Monaten erlebt, gelernt, gefühlt, verloren und gewonnen hab, durchlebe ich am Ende des Jahres im Zeitraffer. Stroposkopartig blitzen Erinnerungen auf, schöne und weniger schöne, Erfahrungen, die mich verändert haben, Worte, die weh tun, Menschen und Momente, die bleiben. In diesen Tagen ist Zeit zum Atmen und Begreifen, zum Wünschen und Teilen. Bisher habe ich meine Gedanken zum Fest in kurzen Weihnachtsansprachen für die Familie festgehalten. Heute versuche ich es hier.

„Wer lacht, denkt nicht.“ Da sitzt diese unglaubliche Frau nackt vor mir auf dem OP-Tisch und haut eine Lebensweisheit raus, die sich gewaschen hat. Simpel und doch etwas, wovon ich vorher noch nie gehört habe. Ich lache gern, ich lache viel – aber trotzdem habe ich das Gefühl, es wird mit den Jahren weniger. Und so richtig herzhaft lacht man ja eh viel zu selten. Das kenne ich noch aus der Uni, als Gesine mit Hausschuhen in der Vorlesung saß oder Marco und ich bei einer gemeinsamen Sendung im Uniradio ganz schnell die Musik hochziehen mussten, da wir vor lauter Gegröle einfach gar keinen Ton mehr raus bekommen haben. Situationskomik meist, oder wenn man sich alte Geschichten erzählt.

Zurück in den Kreißsaal. Die Frau vor mir soll gleich einen Kaiserschnitt bekommen. Da es kein Notfall ist, wird sie in wenigen Minuten ihr Kind begrüßen. Es ist ihr erstes. Sie ist sehr aufgeregt, die Atmosphäre im OP alles andere als einladend. Als angehende Hebamme versuche ich in solchen Momenten, die Aufmerksamkeit der Frauen so gut wie möglich auf mich zu lenken. Ich spreche ihnen Mut zu und gebe mein Bestes, damit sie sich hier, zwischen Raum und Zeit nicht alleine fühlen. Diesmal aber ist es die Frau auf dem OP-Tisch, die MIR etwas gibt. Und zwar soviel Zuversicht und Vertrauen, gepaart mit einem strahlenden Lächeln. Sie sitzt da wie ein Fels in der Brandung, fügt sich ihrem Schicksal und macht das Beste aus der Situation. Natürlich hat sie sich das anders vorgestellt. Sie hätte gern spontan entbunden, ihr Kind direkt in die Arme genommen. Doch leider geht das aus medizinischen Gründen nicht und nun sind wir hier und warten.

Alles läuft gut. Diese frisch gebackene Mama ist hart im Nehmen, übersteht den Eingriff komplikationslos. Sie und ihr Mann lachen zusammen, heißen das kleine Wunderwesen willkommen und nehmen sich nach der OP viel Zeit zum Kuscheln und Kennenlernen. Die Liebe, die hier den Raum erfüllt, lässt mich ganz sentimental werden. Genau DAS sind die Momente im Leben, für die sich das alles lohnt. In meinem Fall meine ich damit den stressigen Alltag zwischen Ausbildung und Familienleben, die Pendelei nach Frankfurt, den Prüfungsstress, und alles, was mir das Gefühl gibt, ständig im Spagat zwischen zwei Welten festzuhängen. Doch jeden noch so stressigen Tag vergesse ich, wenn ich Familien bei der Geburt ihrer Kinder unterstützen kann. Diese magischen ersten Sekunden, die Erleichterung, dieses unsichtbare Band – hier, wo neues Leben beginnt, bin ich genau richtig. Ich bin dankbar dafür, diese intimen Momente begleiten zu dürfen. Diese Sekunden, in denen sich Leben ändern, Familien geboren oder größer werden und in denen die ganze verrückte Welt vor der Tür wartet. Das ist meine persönliche Leidenschaft, das, wofür ich bereit bin, hart zu arbeiten.

Jeder sollte so eine Sache finden, die ihn über sich hinaus wachsen lässt, ihn motiviert und mitreißt, so richtig tief berührt. Mindestens eine. Denn davon kann man eigentlich garnicht genug haben, um sich im Leben Glanzmomente zu schaffen, die plötzlich alles Sinn ergeben lassen. Deshalb schließen sich in meiner Idealvorstellung Familie und Beruf, Zweisamkeit und Hobbys nicht aus. Es ist eine Frage der Organisation, der Kommunikation und der Bereitschaft, sich gegenseitig dabei zu unterstützen, dass jeder seinen Bedürfnissen nachgehen kann. Und – oh Jesus – das ist bei Weitem nicht immer leicht. Diese emotionalen Wirbelstürme, die nach dem Ende meiner Elternzeit durch meinen Körper getobt sind, diese ganzen Rollen, denen man gerecht werden möchte, die Kompromisse, die man eingeht und diese lähmenden Gedanken, wenn mal wieder alles schief läuft! Ich bin erschöpft. Nach einem Jahr wie diesem, mit vielen Neuanfängen, Umbrüchen, kleinen und großen Katastrophen und einem eng gestrickten Zeitplan freue ich mich jetzt auf ein paar Stunden zum Luft- und Schwung holen. Für das nächste Jahr, das – entsprechend meiner Natur – sicher nicht weniger turbulent wird.

Was mich die letzten Monate gelehrt haben? Dass es das Schicksal manchmal richtig gut mit uns meint, dass man auch in einer der bevölkerungsärmsten Gegenden Menschen findet, die Freunde werden, dass es sich immer lohnt, für sein Glück zu kämpfen, dass Kinder wirklich sehr schnell wachsen und die Liebe auch. Und dass man nicht denken kann, wenn man richtig herzhaft lacht. Dann nämlich sind beide Gehirnhälften nicht vernetzt und zack, schon ist man für einen kurzen Moment grübelfrei.

Und damit wir alle in Zukunft etwas leichter durch den Alltag gehen, wünsche ich mir, dass wir öfters aus der Reihe tanzen, Ängste überwinden, Raum- und Zeit vergessen, unser Leben auf den Kopf stellen, die Perspektive wechseln, aussprechen, was wir zu sagen haben, schweigend nicken und verstehen, genau hinsehen, fühlen, machen

– und lachen, ohne zu denken.

Frohe Weihnachten wünscht das Konfettiherz ❤

 

 

 

Ein Gedanke zu “Wer lacht, denkt nicht.

  1. Meine Liebe i weiß nur zu gut von was du sprichst bzw was dich so nachdenklich sprechen lässt……. I finde jeden Tag als Herausforderung denn das Leben was du beginnen lässt geht 8 Stufen höher bei mir weiter und es ist schwierig den Spagat zwischen den vielen Erwartungen zu erfüllen mal schafft man es leichter mal schwerer ABER i merk die Dankbarkeit in den Augen der neuen frischen Familien wenn man ihnen den Start nach ihren Bedürfnissen ermöglicht …..nicht vorgibt ……sondern unterstützend mitgibt …….denn solch ein Menschenleben ist etwas so wertvolles und wenn es einen guten Start erhält ……es sich zu einer starken Persönlichkeit entwickeln kann durch die Liebe welche man ihm mit auf den Weg gibt weiß man doch auch als langjährige Kinkras es lohnt sich jeden Tag alles zu geben was man natürlich nur schafft wenn man an seinem festen Umfeld arbeitet damit einem die Kraft ned verloren geht ……..und das is das besondere am Leben wenn man ihm mit einem Lächeln begegnet lächelt es zurück und man kann auch wenig gute Momente mit Hilfe derer welche man selbst immer wieder aufbaut gut meistern denn dann sind sie für einen da… .
    Einen Sruch welchen i über alles mag …….JEDER SOLLTE MIT SEINEM LEBEN DIE WELT EIN KLEIN WENIG BESSER MACHEN ist mein ständiger Begleiter und dir als zukünftige Hebamme wünsche i das du mit und an deinen Aufgaben wächst deinen Spagat zwischen Familie und Job immer ausgeglichen meistern wirst und immer einfach wirklich immer Menschen um dich haben wirst welche dich begleiten und auffangen werden denn gerade das is des Wichtigste wenn man mit Menschen zusammen arbeitet ……..

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