Wie wir wuchsen.

Genau heute vor einem Jahr - in diesem Moment - bin ich über mich hinaus gewachsen. Der Weg zum Mama-Sein war mein bisher größter Kampf. Gegen Schmerzen, gegen Hilflosigkeit, gegen das Aufgeben. Und für das Leben. Am 11. März 2017 um 01:43 Uhr sollte unser Sohn das Licht der Welt erblicken. Und von unserer gemeinsamen Reise bis zu diesem Augenblick möchte ich euch heute erzählen.

Bauchgefühl.

Als ich im Damenklo verschwinde, komme ich mir vor wie ein Agent in geheimer Mission. Jetzt bloß nicht auffliegen. Kurz bilde ich mir ein, man sieht mir an, was ich hier drin gleich machen werde. Ist das eigentlich erlaubt? Ich muss lachen. Fast schon hysterisch. Wie durch einen Tunnel starre ich auf das fancy Testgerät mit digitaler Anzeige. Diesmal muss ich nicht lange warten. Diesmal steht es da. Das, was ich eigentlich schon wusste. Das, was mein komplettes Leben auf den Kopf stellen wird. Das, was mir mein Bauchgefühl gesagt hat. Ich bin s-c-h-w-a-n-g-e-r.

Dein neues Leben.

Du freust dich auf das Kind, das unter deinem Herzen wohnt. Stolz trägst du deinen prallen Bauch, behütest ihn wie deinen wertvollsten Schatz. Du bist voller Zuversicht. Doch gleichzeitig schwebt dieses große Fragezeichen über deinem Kopf: Schaffe ich das? Werde ich eine gute Mama sein? Ich möchte dir sagen: Du wirst.

Kein Vergleich.

"Hey, ich hab da mal eine Frage...", wenn es schon so los geht. Genervt und ein bisschen sensationsgeil schaue ich auf mein Handy und warte, was kommt. "Die Kleine hat da seit heute so einen komischen Ausschlag und ich wollte mal fragen, ob das jemand von euch auch schonmal hatte und was das sein könnte." Es folgt eine unscharfe, mikroskopische Aufnahme eines circa drei Nanometer kleinen roten Punktes. 

#flashback | Baby, it’s cold outside.

Ich genoss die klare, frische Luft, die den Kopf so schön frei macht. Und genau das war es anscheinend, was ich brauchte. Denn als ich da so stand, meinen Blick auf das glitzernde Wasser gerichtet, entspannte sich alles in mir. Ich war dankbar, an einem so schönen Tag nicht im miefigen Büro sitzen zu müssen und noch dankbarer für den Grund, den es dafür gab.